Hilfe! Die Schule schliesst!

20 Ideen für die unterrichtsfreie Zeit…

Ach, was sie doch spannend – diese Zeit der Ungewissheit, der ständig neuen Ansagen unserer Regierung. Und jetzt ist es so weit: Der Traum aller Kinder und zugleich wohl der Schrecken aller Eltern ist eingetroffen: Die Schule schliesst!

Damit auch diese Zeit überlebt werden kann, habe ich hier als Pädagogin, langjährige Jungschileiterin und Mutter ein paar Ideen zusammengestellt, wie ihr diese Zeit mit euren Kindern nicht nur «überleben» könnt, sondern wie daraus vielleicht sogar eine sehr wertvolle und im Leben einmalige Zeit werden kann.

Ganz an den Anfang möchte ich einen wichtigen erzieherischen Grundsatz stellen:

Es ist nicht die Aufgabe der Eltern, die Kinder zu bespassen!

Und genau deshalb finde ich es so toll, dass in dieser Zeit Technorama, Papiliorama, Kino, Aquapark und co. für einmal geschlossen sind und nicht die schnelle Lösung fürs Problem Kinderbetreuung bieten. Jetzt heisst es endlich wieder mal: Back to the roots! Werden wir kreativ! Also, unbedingt die Kinder in den Prozess der Planung miteinbeziehen und nicht das Gefühl haben, dass man jetzt ein «Rundumprogramm» für die nächsten 6 Wochen gestalten muss. Kinder wünschen sich, ernst genommen zu werden und in den Prozess der Planung miteinbezogen zu werden.

Schönwetterprogramm

Hier lautet mein Motto: Ab in den Wald!

Es ist Frühling! Was gibt es für einen schöneren Ort als den örtlichen Wald zu erkunden? Also: Wetterfeste Kleidung montieren, sich mit Zeckenspray einparfümieren und ab in den Wald. Was kann man im Wald nicht alles Schönes machen? Mir kommt einiges aus meiner eigenen Kindheit in den Sinn:

  1. Waldhütten bauen: Jetzt nach dem Holzen hat’s überall viele Äste liegen. Da ist Ruck-Zuck eine Hütte gebaut!

  2. Dampflocki-Feuer: auf ein ordentliches Feuer werden 2-3 grüne Tannenzweige gelegt und los geht die Raucherei – wie eine richtige Dampflock

  3. Tierbeobachtung für Frühaufsteher: Wer etwas Sitzleder hat, der wird’s nicht bereuen einmal vor der Dämmerung im Wald mit einem Campingstüeli einen Platz einzunehmen. Was kann man da nicht alles beobachten und vor allem hören: Wundersame Vogelstimmen (per App können die auch noch bestimmt werden), das Klopfen eines Spechts, das Rascheln einer Waldmaus… und wer gute Augen und einen guten Feldstecher hat, sieht vielleicht auch noch Herrn Fuchs oder Frau Dachs vorbeischlendern!

  4. Zwergenhäuschen bauen: Der Klassiker! Da kann sich jedes Kind vertiefen – und es bietet sooo viel mehr Raum für Kreativität als die öden Playmobil-Figürchen!

  5. Kochen im Wald: Wenn das Feuer erst mal brennt, ist es herrlich, sich diese Energie auch zu Nutze zu machen. Warum also nicht eine Campingfpanne aufs Feuer (oder auf die Grillstelle im Wald) stellen und feine Chäshörnli kochen?! (Hörnli habt ihr ja jetzt eh mehr als genug, nach dem Hamstereinkauf…)

Ok, es mag ja auch Leute geben, die den Wald nicht sonderlich leiden können. Auch für die habe ich noch ein paar Tipps:

6. «Papi, wo bist du eigentlich aufgewachsen?»

Für mich als Kind war es immer etwas vom Spannendsten, wenn wir mit den Eltern einen Besuch in der Ortschaft oder beim Haus machten, wo sie aufgewachsen waren. Da kamen nämlich die besten Geschichten zum Vorschein, was Mami und Papi als Kinder alles für Abenteuer gemacht haben – und wer weiss, vielleicht inspiriert das eine oder andere Abenteuer gleich zum Nachmachen.

7. Räuber und Bulle

Bestimmt hat’s in der Nachbarschaft auch ein paar «Arbeitslose» Kinder. Da lässt sich doch endlich wieder mal ein anständiges «Räuber und Bulle» spielen, ohne dass Levin in den Klavierunterricht und Sophie ins Geräteturnen gehen muss, wenn’s grad am spannendsten ist!

8. Strassenkreide

Kürzlich habe ich gerade wieder mal ältere Kinder beobachtet, die zwar mit Seitenblick, ob nicht jemand doof schaut, aber doch voller Leidenschaft unseren Vorplatz verzierten. Warum also nicht die verstaubte Kreide aus dem Keller holen und gemeinsam ein grosses Kunstwerk auf die Strasse zaubern?

9. Ab in den Garten

Jetzt ist die beste Zeit, sich Gedanken zu machen, was man diese Jahr alles säen oder pflanzen möchte. Die Frühstarter können schon mal Setzlinge aussäen und diese drinnen an der Wärme keimen lassen. Die Mutigen (wie ich) kaufen sich vielleicht in der Landi schon die ersten Setzlinge für ins Frühbeet. Und los geht die Gartenarbeit! Dabei darf natürlich für alle Altersstufen etwas dabei sein: Matschkuchen backen für die Kleinen und das eigene Beetli anpflanzen für die Grossen!

Und: Keine Panik, wenn ihr keinen richtigen Garten habt! In Töpfen auf dem Balkon wächst und gedeiht viel Gemüse ebenfalls prächtig!

10. Draussen basteln

Damit’s drinnen nicht zu eng wird können jetzt bei den angenehmen Frühlingstemparaturen die kreativen (und manchmal etwas stark verschmutzenden) Basteleien draussen auf dem Balkon oder Sitzplatz durchgeführt werden. Wie wär’s mit etwas Restholz, einer Laubsäge, ein paar Nägeln und schöner Acrylfarbe? Vielleicht entsteht ja ein neues Vogelhäuschen, ein kuschliges Zuhause fürs Meerschweinchen oder ein schmucker Serviettenhalter fürs Grosi?

Schlechtwetterprogramm

Schön und gut – Aber was, wenn es (und das kommt im Frühling ja regelmässig vor) dann doch mal regnen sollte?!

Auch für dieses Szenario habe ich euch ein paar tolle Ideen:

Und wieder zu Beginn ein erzieherischer Grundsatz: Kinder haben sehr wohl Rechte (auf Nahrung, Bildung usw.) was aber nicht heisst, dass sie keine Pflichten haben dürfen. Im Gegenteil. Eine Erziehung, in welcher die Kinder nur Rechte geniessen, im Gegenzug dazu aber keine Pflichten leisten müssen ist völlig unnatürlich. Sehen wir uns nur die Tiere an, welche ihre Kinder schon früh in die Abläufe der Nahrungssuche einbinden.

Worauf ich hinaus will: Keine Eltern müssen sich bei den Kindern schuldig fühlen, wenn sie diese in die Hausarbeit einbeziehen. Das sollte im Gegenteil eine völlige Selbstverständlichkeit sein und wenn wir in unserem System unsere Kinder nicht so «zuprogrammieren» würden, wäre das auch viel öfter der Fall. Oft bleibt im Alltag aber zwischen dem Fussballtraining und den Hausaufgaben kaum noch Zeit dazu. Also: Keine Wunder erwarten aber Erwartungen klar formulieren: Wenn wir alle zu Hause sind, trägt jeder seinen Teil dazu bei, dass es uns hier wohl ist.

Also lautet mein erster Schlechtwetter-Tipp

1. Gemeinsam haushalten

Das kann nämlich durchaus Spass machen. Wichtig von Seiten der Eltern ist es, hier die Ansprüche an Sauberkeit runter zu schrauben und die getane Arbeit der Kinder zu wertschätzen und nicht noch nachzuputzen. Lieber anfänglich gut instruieren als im Nachhinein meckern.

Steht nicht sowieso der Frühlingsputz an? Vielleicht werden gemeinsam alle Fenster und Rollläden gewaschen? Oder alle «Chuchichäschtli» rausgeputzt?

Natürlich wird die getane Arbeit dann gebührlich bei einem feinen Zvieri belohnt und gefeiert!

2. Gemeinsam kochen und backen

Oder je nach Alter das Zepter gleich ganz den Kindern überlassen. Dabei lernen die Kinder mehr als in einer Woche Mathe-Unterricht – und das sage ich als Primarlehrerin! Da wird’s endlich mal so praktisch, wie wir es im Klassenzimmer einfach nicht hinbekommen: Messbecher, Waage, was war nochmal ein Zentiliter?... Wunderbare Lerngelegenheiten und total Lehrplan 21-tauglich!

3. Gemeinsam musizieren

Ok, ich weiss es ja: Viele Eltern schrecken davor zurück, weil sie von sich behaupten, nicht musikalisch genug zu sein. Aber wie lustig ist es denn, wenn sogar Papi die verstaubte Querflöte aus dem Estrich holt und Mami die verstimmte Gitarre wieder zum Klingen bringt? Und die Kinder spielen das Stück vor, das sie gerade in der Klavierstunde üben… Vielleicht können ja die Eltern auch was von den Kindern lernen?!

4. Gemeinsam malen

Auch hier gibt es viele, die davor zurückschrecken, da sie das Gefühl haben «Ich kann gar nicht zeichnen». Good News für euch: Zum Malen muss keiner zeichnen können. Da darf man auch einfach mal ein Drafulosbild machen und den Pinsel walten lassen.

Ich, als Lehrerin im Bildnerischen Gestalten, empfehle euch: Kauft einen Block Aquarellpapier A3, ein paar Pinsel und einen qualitativ guten Malkasten. Das ist absolut erschwingliches Material. Und dann geht’s los! Pinterest & co liefern glaube ich genügend Inspirationsquellen. (Stichwort watercolour)

5. Geschichten erfinden

Vielleicht möchte das ein Kind auch mal ganz alleine tun. Denn oftmals können sich die Schülerinnen und Schüler wunderbar in ihrer Fantasiewelt vertiefen, wenn sie ihre eigenen Geschichten schreiben dürfen. Im Anschluss kann man sie Mama oder Papa vorlesen und es gibt erst noch keine doofe Note dafür!

6. Lesen und vorlesen

Hoffentlich schliessen die Bibliotheken noch nicht… Denn Lesen ist eine wunderbare und lehrreiche Beschäftigung. Aber das wisst ihr ja alle schon! Nur noch ein Lehrerinnen-Insider-Tipp: Lautes Vorlesen ist die effizienteste Form, dass sich das Lesen eurer Kinder verbessern kann. Warum also nicht mal 10 Min das Kind vorlesen lassen? Und bitte nicht ständig korrigieren, das stört die Harmonie.

7. Smartphone & co sinnvoll nutzen

Ok, sind wir doch ehrlich: Jede noch so gute Mutter oder Vater ist mal froh um 20 Min Pause. Also warum nicht kurz den Kids eine Portion Tablet gönnen und alle sind zufrieden… Naja. Jedenfalls bis die 20 Min, die sich dann doch zu 40 Min ausweiten (obwohl man es vorher ja ganz deutlich gesagt hat) zu Ende sind, und man den Kindern das Tablet dann doch wieder gewaltsam entreissen muss und zum Ganzen hinzu auch noch deren miserable Laune ertragen muss, weil ihnen das Gamen oder Filmli-Schauen ja doch nicht den Seelenfrieden gegeben hat, den man sich davon erhofft hat…

Trotzdem gehören Smarphone & co zu unserem täglichen Leben. Aber es gibt massenweise tolle Apps, die man mal testen könnte (Zeit hat man ja jetzt). Wie wärs z.b. mal selber einen Film zu machen und zu schneiden? Oder ein eigenes Hörspiel zu gestalten? Oder Fotos zu einer schönen Collage zusammenzufügen und Grosi eine Gratis-Postkarte zu schicken?

8. Gemeinsam in Erinnerungen schwelgen

Wahrscheinlich gibt es keine Kinder wie die heutigen, deren Leben so detailliert dokumentiert wurde. Aber wo ist schon wieder der ganze Kram? Komm, wir holen die externe Harddisc mal hervor und schauen, ob wir nicht noch ein paar Filmli von dir ganz klein finden?

Und gezwungenermassen taucht dann auch die Frage auf: «Mama, wie hast du eigentlich ausgesehen, als du ein Kind warst?» Und dann kann man auch noch vom Büchergestell im Elternzimmer das verstaubte Album hervorholen und den Videokasetten-Player oder Diaprojektor versuchen zu installieren und in der Vergangenheit schwelgen. "Hah, schau mal - da hatte Onkel Thomas noch Haare!" :)

9. Indoor-Hütten bauen

Ebenfalls eine meiner Lieblingsbeschäftigungen als Kind: Alle Stühle oder Tische im Kinderzimmer aufs Bett stellen, ein grosses Laken darüber und schon hat man eine kuschelige Indoor-Hütte gebaut. Natürlich gehört das Radio mit schönen Hörspielen in eine Ecke, in die andere die selbstgemachten Schoko-Cookies und massenweise Kissen. So kann locker ein ganzer Nachmittag vertrödelt werden – und vielleicht unternimmt man sogar den Versuch eine Nacht darin zu schlafen (ok, fairerweise mit dem Risiko, dass die Eltern mitten in der Nacht das «Monster» abbauen müssen, weil es dann doch bei Nacht zu gruslig erscheint)

10. Last but not least: AUSMISTEN

Gerne zitiere auch ich die Zauberfrage von Minimalismus-Expertin Marie Kondo: «Does it spark you?» Mit anderen Worten: «Macht dich dieser Gegenstand glücklich?» Und wenn nein: Weg damit! Gerade die Kinderzimmer brauchen regelmässige aber wenn möglich unbedingt freiwillige Entrümpelungen. Auch sie werden realisieren, dass sie mit weniger Spielsachen oft viel intensiver spielen und das Weggeräumte gar nicht vermissen.

Damit es nicht zu endgültig scheint, kann ja eine Zwischenstation im Keller vor der definitiven Mulde entstehen. Wenn etwas vermisst wird, darf es innerhalb des nächsten Monats wieder hervorgeholt werden. Und ich kann euch sagen: Es wird KAUM etwas vermisst! Und natürlich auch da das Ganze unbedingt mit fröhlicher Musik und Gute-Laune-Stimmung durchführen. Und dabei dankbar werden, dass wir viel mehr besitzen, als wir brauchen.

Ich hoffe, ich konnte euch aus der ersten Krise heraushelfen!

Und natürlich haben alle Eltern auch noch ihre super-tollen Geheimtipps, was man mit Kindern zu Hause alles anstellen kann. Also: Unbedingt im Austausch bleiben und sich gegenseitig inspirieren nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber! :)

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